
Safari und Firefox können es: Farben richtig – "gemanaged" – darstellen. Und wer einen der beiden Browser benutzt, sieht schöne, aber auch noch manchmal unschöne Farben. Hintergrund, Sinn, Unsinn
Farbmanagement im Web
In der Theorie ist Farbmanagement eine feine Sache: Beim Scannen oder Fotografieren bekommt ein Bild ein Farbprofil angeheftet, das genau auf die Hardware (Scanner, Kamera) abgestimmt ist. Die Bilddaten werden ab dann nicht mehr geändert, sondern lediglich die Profile gegeneinander verrechnet. Das Bild wird also immer richtig dargestellt, weil ja auch der Monitor sein Profil hat.
Ein Beispiel: Der Aldi-Scanner tut was er kann, aber er weiß, dass er rot ein wenig gelblich scannt. Das steht in seinem Farbprofil. Man öffnet das Bild mit Photoshop, das schaut das Profil an und stellt gelbliches Rot deswegen ein wenig röter dar, als es den reinen Bilddaten entsprechen würde. Und weil Photoshop auch weiß, dass der Bildschirm blau zu dunkel darstellt (das steht im Monitor-Profil), hellt es blau ein wenig auf. Ergo: Das Bild wird perfekt dargestellt, ohne an den Bilddaten selbst zu schrauben.
Das wird überall durchgezogen – auf jedem Drucker, auf jedem Monitor oder Beamer werden die Profile gegenverrechnet. Immer perfekte Farben.
Ja. Die Theorie. Und jetzt die Praxis:
Längere Ladezeit durch Farbprofile
Das Farbprofil ist am Bild angeheftet – also mit den Bilddaten gespeichert. Je nach Quell-Medium hat ein Farbprofil einige kB, mitunter aber auch weit über 100k. Diese Datenmenge ist unabhängig davon, wie groß das Bild selbst ist – sogar ein stark komprimiertes Bildchen mit 50x50 Pixel bringt leicht einmal über 100k zusammen. Es ist auch egal, ob alle Bilder das gleiche Farbprofil haben – es wird an jedes einzeln angehängt.
Eine wohlgemeinte Bildergalerie kann also dank Farbmanagement ein recht zähflüssiges Erlebnis werden.

Im Internet Explorer ist kein Unterschied zwischen dem mittigen Bild und Umgebungsfarbe sichtbar. Firefox und Safari stellen das Bild aber deutlich blauer als den Hintergrund dar: Das Bild hat ein Farbprofil, der Hintergrund nicht.
Störende Farbabweichungen
Ein gröberes Problem ist – auch im Printbereich – der Umstand, dass nicht alles was Farbe ist, auch ins Farbmanagement fällt. Schrift zum Beispiel wird so dargestellt wie angegeben, da hängt ja auch kein Farbprofil daran.
Besonders heimtückisch sind aber Farbflächen. Ein Bild, das am Rand eigentlich genau mit einer Farbfläche zusammenpassen soll, tut das aufgrund des Farbmanagements nicht mehr; es ist eine deutliche Kante sichtbar.
Tipp: Um soetwas zu verhindern sollte man den Hintergrund nicht als Farbe angeben, sondern wieder ein Bild benutzen, natürlich mit dem selben Farbprofil.
Ist Farbmanagement im Internet sinnvoll?
Farbmanagement hat im wesentlichen EINEN Vorteil: Wenn das Quellmedium einen sehr großen Farbraum hat, würde dieser beim Umrechnen in einen kleineren Farbraum eingeschränkt werden. Ohne Umrechnung der Bilddaten, also nur mit Farbmanagement, kann auf jedem Ausgabegerät der vorhandene Farbumfang optimal ausgenutzt werden.
Hat ein Bild KEIN Farbprofil angehängt, wird es auf einem unkalibrierten (ungemanagten) Bildschirm mit maximaler Farbe dargestellt, also: Blau so blau es geht, rot so rot es geht.
Auf einem kalibrierten Schirm mit größerem Farbraum wird angenommen, das Bild ist in sRGB und alle Farben (auch die Hintergrundfarben) werden entsprechend dem MonitorProfil dargestellt. In der Regel also etwas gedämpfter als möglich wäre.
Warum der Effekt sehr gering ausfällt, hat gerade bei Fotos noch einen weiteren Grund:
Bildrauschen
Ohne Rausch geht’s nicht: Prinzipbedingt kann kein Scanner, keine Kamera ein völlig rauschfreies Bild liefern. Auch Photoshop fügt bei Verläufen ein leichtes Rauschen hinzu, weil 24 Bit Farbtiefe nahezu immer, aber eben nicht immer ausreichen. In manchen Bereichen können Augen mehr Abstufungen erkennen, als in dem kleinen Ausschnitt der Millionen Farben enthalten ist.

Ein winziger Ausschnitt aus einem wolkenlos blauen Himmel mit dem üblichen Rauschen einer Digitalkamera. Welches der Pixel stellt denn nun die Grenze des Farbraumes dar? Egal welches: Sehr wahrscheinlich ist gleich daneben eines, das deutlich von dieser Grenze entfernt ist. In Summe (und diese wird zb beim Herunterrechnen gebildet) ist der Durchschnitt immer weit vom theoretisch Möglichen entfernt. Deswegen wird der theoretisch größere Farbraum in der Praxis deutlich eingeschränkt, es bleibt ohnehin wieder nur sRGB übrig, wenn überhaupt.
Starke Unterschiede in der Darstellung mit/ohne Farbmanagement deuten immer auf ein Hardwareproblem oder falsch kalibrierte Hardware hin. Selbst ein Billig-Scanner sollte ein halbwegs gutes Bild abliefern, tut er das nicht, hilft auch Kalibrierung nichts.
Crossmedia; Medienübergreifendes Publizieren
Als wesentlicher Vorteil für Farbmanagement wird angeführt, dass man ja jetzt noch nicht weiß, auf welchem Medium ein Bild in Zukunft ausgegeben wird. Klingt plausibel, spießt sich aber mit den im Web üblichen Bildgrößen: Für welche Art Publikation außer der Bildschirmdarstellung will man ein 200 Pixel breites Bild verwenden? Und wenn sowieso schon Bildschirm: Welche Farbdarstellung wird der denn haben?
Bei größeren Bildern könnte Farbmanagement sinnvoll sein. Die Dateigröße des Farbprofiles trägt kaum mehr auf, störende Farbunterschiede spielen keine Rolle. Und weil der Farbunterschied in der Praxis ohnehin nur gering ist, ist es weitgehend egal, ob ein Browser das Bild richtig oder richtigER darstellt.
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Kommentare:
19.02.2011
Fippz
Ah, interessant. Manchmal sieht man diese Farbunterschiede.Habe mich immer gefragt, ob die Absicht sind.


