
Webdesigner nutzen in der Regel Firefox und glauben, alle anderen tun das auch: Schließlich genügt ein Blick in die Statistiken ihrer Sites, um das bestätigt zu sehen. Aber Statistiken sind nicht immer so ganz richtig.
Siehe auch:
Template-Suche: Die Zahl der Wahl (Teil1) Wonach wird in der Template-Suche wirklich gesucht?
Templates und der IE6 Ist gar nicht so schwer: Tipps für IE6-Dompteure
IE6, IE7, FF, Safari und der ganze Rest
Ganz anders sieht die Verteilung der Browser nämlich aus, wenn man alle Seiten zum Thema Webdesign aus der Statistik weg lässt. Hier die aktuelle Statistik einer Site, die sich mit Schrauben und Werkzeug befasst, also vornehmlich im Büro angesehen wird. (ca, Stand 07/2009):
Firefox: 38%, gleichbleibend
IE8 13%, steigend
IE7 28%, fallend
IE6:18%, fallend
Safari 2% gleichbleibend
Chrome 1% gleichbleibend
Ein spezieller Freund dabei ist der IE6 – und auch wenn ihn manche schon lieber tot sehen: Er hat immer noch fast ein Fünftel Anteil und muss deswegen beim Design berücksichtigt werden. Hier tun sich manche schwer: Da der IE7 den 6er ersetzt hat, hat man eine gute Ausrede, nicht mehr testen zu können. Eine faule Ausrede, es gibt Abhilfe:
http://tredosoft.com/Multiple_IE
Allerdings verhält sich ein auf diesem Weg installierter IE6 nicht ganz wie ein "echter" IE6 - mit den Service-Packs hat auch der IE6 einige Änderungen erfahren. Wohl dem, der also noch eine alte Kiste hat, auf der nie ein Update gemacht wurde.
IE6 ist vor allem auf Büro-Rechnern noch stark verbreitet, oft auch noch in Verbindung mit Windows 2000 (unter dem IE7 nicht läuft). Wer eine Site für einen Betrieb gestaltet, muss damit rechnen, dass der Kunde mit IE6 schaut. Eine Browserweiche mit Meldung wie „Sie haben leider den falschen Browser“ zeugt nur davon, dass es der „Webdesigner“ schlichtweg nicht drauf hat. Sowas ist nicht nur letztklassig, sondern in so einem Fall tödlich: Die Leute installieren keine neuen Browser auf zig Rechnern, sondern feuern den Webdesigner. Zurecht.
Das Bananenprinzip:
Das Produkt wird unreif auf den Markt gebracht und reift erst beim Kunden.
Man könnte es als gewisse Perfidie ansehen, dass damals Microsoft-Software (Word, Excel..) zuerst für Macintosh erschien. Bei der Konkurrenz quasi.
Der IE5.1 Mac war salopp gesagt die Testversion des IE6 Win.
IE 5.5 abwärts
Frühere IEs (5.5 usw) spielen unter Windows praktisch keine Rolle mehr, allerdings am Macintosh: Der IE5.1 für Macintosh ist der 'modernste' Browser, der noch unter OS9 läuft, relativ viele iMacs der ersten Generation sind immer noch damit ausgestattet. Zum Glück verhält sich dieser Browser weitgehend wie der IE6 für Windows.
Wer eine Website für einen Betrieb macht, der im weitesten Sinn mit "Graphik" zu tun hat (Werbeagenturen, Repro, Druckereien) sollte sich zumindest kundig machen. Sowohl Auftraggeber als auch deren Kunden haben noch öfter alte Macs + OS 9.5, zb weil der Klassiker xPress 3.3 oder 4 nicht unter OSX läuft und deswegen manchmal nicht aufgerüstet wurde. Der geringe Marktanteil wird wie immer durch die lauthalse Zickigkeit der typischen Apple-User kompensiert (Ja, ich habe 3 Macs, ich darf das sagen)
Opera
Opera ist ganz nett, aber in so viele Versionen zerspradert, dass es sich tatsächlich kaum lohnt, eine Site mehr als nur gelegentlich damit anzusehen. In aller Regel macht Opera keinen Ärger, den es woanders nicht auch gäbe und die eine oder andere Ungenauigkeit kann man ja durchgehen lassen.
Safari
Aufgrund der „subversiven“ Marketing-Strategie von Apple ist über iPod -> iTunes auch -> Safari auf vielen PCs gelandet: Plötzlich war er da. Und weil er schon mal da ist, wird er auch immer mehr genutzt.
Tatsächlich ist der Apple-Browser gar nicht so übel: Er startet zwar langsam, aber nicht langsamer als Firefox. Dafür wird man mit einer adretten Optik und einigen kleinen Features belohnt, die für den Otto-NormalSurfer allemal ausreichend sind und nicht nach Erweiterungen dürsten lassen. Ein recht praktisches Feature ist übrigens für WebsiteBaker-Administratoren interessant: Text-Felder (<textarea>) lassen sich beliebig vergrößern.
Chrome
Chrome ist sicher ein feiner Browser, aber nicht jeder mag ihn. Ich zb. Erstens steckt ziemlich viel Google drin, zweitens mag ich das Design nicht: Es vermittelt das Gefühl, dass man sich nicht in einem Programm bewegt, sondern bereits auf einer zu Google gehörenden Website. Ob Chrome irgendwann dauerhaft einen nennenswerten Anteil erreichen wird, werden wir sehen. Für Webdesigner ist er unproblematisch, er scheint keine nennenswerten Macken zu haben.
Netscape
Ist definitiv am Aussterben und nicht mehr der Rede wert. Wenns leicht geht, sollte man zumindest dafür sorgen, dass die Seite noch erkennbar ist – aber mehr schon nicht mehr. Besondere Mehrarbeit für Netscape Browser ist verlorene Liebesmüh.
Netscape-User kommen meist über den noch relativ beliebten Mail-Client und wissen, dass es grobe Darstellungsfehler gibt.
Mobile Browser
Technisch ist hier nichts zu machen – im doppelten Sinn. Diese Browser sind in unendlich viele Versionen zerspradert, dass es beim besten Willen nicht möglich ist, irgendetwas zu optimieren. Halbwegs vernünftige xhtml-Seiten werden mehr oder weniger "dargestellt", irgendwo zwischen gerade mal erkennbar und ideal.
Braille-Reader, besondere Ausgabegeräte
So manch einer ist überzeugt, dass gerade sein Urlaubsfoto-Blog für Blinde besonders interessant sein muss und verwendet viel Zeit für die "Barrierefreie" Gestaltung. Tatsächlich werden Braille-Reader fast nur zu Schulungszwecken verwendet, weitaus häufiger sind Vorlese-Plugins für gängige Browser (meist IE). Diese Programme lesen genau das vor, was auf dem Bildschirm steht, in der Reihenfolge wie es dort steht. Javascript, Frames: Kein Problem. Ausgenommen natürlich Inhalte, die via PlugIn (AktiveX) auf den Schirm kommen, etwa Flash oder Shockwave.
Settop-Boxen zum Anschluss für der Fernseher sind eine extrem seltene Randerscheinung, und nur dann relevant, wenn in einer "Versuchsgemeinde" noch ein nennenswerter Anteil vorhanden ist und eine Website wichtige regionale Informationen bereithält.
Was vergessen?
Ahja: Linux-Browser:
Sehr selten und relativ problemlos: Was ich gesehen habe, funktioniert Konqueror recht sauber, FF ist sowieso ein Musterschüler, mir persönlich schon zu angebiedert, aber: sei so.
Ältere Kommentare
24.08.2008
Hyperion
Super Artikel, trifft den Nagel auf den Kopf.
Ich designe auch, nutze als CMS manchmal WB und rege mich immer auf wenn mich der IE 6 Zeit und Nerven kostet =P
04.06.2009
Ein sehr gutes Tool zum Testen von Seiten unter IE 5.5, IE6, IE7 und IE8 ist der IETester:
http://www.my-debugbar.com/wiki/IETester/HomePage
Läuft auch unter Vista, allerdings (noch) nicht unter Windows 7. Ein Workaround ist auf der IETester-Website zu finden.
Gruß
Michael
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Kommentare:
03.11.2009
Sehr gut zu testen finde ich auch die Seite: http://browsershots.org/
26.07.2010
Die Zahlen sind nicht mehr aktuell :)
26.07.2010
chio
"Stand 07/2009"
Naja: IE6 steht bei 5%, Safari je nach Site (DeppenSite:20%, andere ca 3%), Chrome bei 5%, die IEs teiles es sich auf. FF: Zenit überschritten.


